real live jazz

Patrik Becker

*19.7.1962 †25.7.2021

Die Konzertreihe „Real Live Jazz“ – das „war“ Patrik Becker. Als leidenschaftlicher und kenntnisreicher Jazz-Liebhaber, als Impresario und Impulsgeber, als Kurator, Förderer und stets aufmerksame Vertrauensperson organisierte er länger als zehn Jahre die Konzertreihe „Real Live Jazz“ im ABS in Klettenberg. Patrik sicherte damit der jungen Kölner-Jazzszene regelmäßige Auftrittsmöglichkeiten, darüber hinaus baute er unermüdlich Brücken, um sein Publikum aufs Schönste mit den vielen Musikerinnen und Musikern zu verbinden. Dies war neben seiner Liebe zum Jazz seine größte Leidenschaft: Netzwerke knüpfen, Kontakte herstellen, Menschen miteinander ins Gespräch bringen.

Der gebürtige Frechener war im Hauptberuf Schreiner, und nicht wenige Musikerinnen und Musiker blicken heute noch auf eines seiner Möbelstücke in ihrer Wohnung. Als nach der ersten Corona-Welle die Spielstätten im Sommer 2020 zögerlich wieder öffneten, war Patrik als einer der ersten am Start: zunächst mit Freiluft-Konzerten im eigenen Schrebergarten, später dann im Vorhof einer Schreinerei, einmal sogar im grünen Innenhof eines Klettenberger Mietshauses. Beschwerden gab es dort keine, im Gegenteil: Von den Balkonen kam ebenso viel Applaus wie von den Gästen auf der kleinen Innenhofwiese, und der fürs Musikerhonorar herumgereichte Hut schaffte es selbst in die oberen Etagen.

Ende Juni 2021 wurde „Real Jazz Live“ mit dem Spielstättenpreis APPLAUS in der Kategorie „Programmreihe“ geehrt, was Patrik besonders freute, war ihm doch bewusst, dass sich durch die Pandemie vieles verändern würde, und nicht immer nur zum Guten. Umso tatkräftiger und voller Optimismus entwickelte er Pläne, Konzepte und Ideen für kommende Konzerte. Und diese sollen und dürfen auch nach Patriks viel zu frühem Tod nicht verloren gehen. Denn, so schrieb Pablo Held: „Patrik Becker war jemand, der Dinge ermöglicht. Ein Liebhaber. Ein Macher. Ein Freund. Wegen Menschen wie Patrik lebt unsere Musik.“

Und deshalb soll es mit „Real Jazz Live“ weitergehen! Dinge sollen auch zukünftig möglich werden – wenn auch an einem neuen Ort, doch mit demselben Engagement und einer ähnlich großen Begeisterung für die vielen talentierten Musikerinnen und Musiker in Köln, die es verdienen, gehört, gesehen und erlebt zu werden. Besucht uns ab sofort im FILMHAUS an der Maybachstraße, einem hochattraktiven und vielversprechenden neuen Veranstaltungsort, wo mit dem Film und dem Jazz gleich zwei herausragende Kunstformen in Köln zusammenkommen.

Ihre und Eure
Xandra Wildung

 

Gesammelte Nachrufe zu Patrik

(mit großem Dank an Hans Martin und Urs Benedikt Müller vom LOFT sowie an Riaz Khabirpour!)

 

Liebe Freunde*innen des LOFT, vor 10 Tagen, am 25. Juli 2021, ist Patrik Becker unerwartet verstorben. 12 Jahre organisierte er die "Real Live Jazz"-Konzertreihe im ABS in Köln-Klettenberg, ein enthusiastischer Liebhaber des Jazz, der sich - wie ich früher im LOFT - in seiner Freizeit als Veranstalter um die Kölner Jazzszene gekümmert hat. Ich habe ihn im Laufe der Jahre zwar nicht oft getroffen - meistens bei kulturpolitischen Veranstaltungen -, aber mit seinem klaren und zielorientierten Denken hat er immer Eindruck auf mich gemacht, denn wir waren ja auch Brüder im Geist und Tun, da gab es immer Gesprächsstoff.
Wir haben seinen Freund Riaz Khabirpour gebeten, einen Nachruf zu verfassen: Er war eng mit Patrik befreundet und kann uns so über den Menschen Patrik Becker erzählen. Auch einige Musiker*innen der Kölner Szene haben über/an Patrik geschrieben.
Hans Martin Müller & Urs Benedikt Müller, LOFT

Seit 13 Jahren kenne ich Patrik Becker und in dieser Zeit ist er mir ein guter Freund geworden. Ich durfte auf den Bühnen, die er bereitstellte als Musiker wachsen, war beeindruckt von seiner kraftvollen, anpackenden und lösungsorientierten Art.

Er war ein Macher aber gleichzeitig ein sehr sensibler und einfühlsamer Mensch. Er war fest verwurzelt in seinem Veedel, FC Köln Fan und gleichzeitig ein Weltenbummler der überall zu Hause war. Patrik hat mein Leben nachhaltig berührt und nicht nur meines. Auch das von zahlreichen Menschen und Musiker*innen, die ihn mit seinem offenen, herzlichen, humorvollen und wertschätzenden Wesen ins Herz geschlossen haben.

Patrik ist 1962 in Frechen geboren und aufgewachsen, hat dort Abitur gemacht und begann nach dem Zivildienst eine Lehre zum Schreiner. Schon während seiner Ausbildung zog es Patrik in die Ferne. Er reiste nach Portugal, und einige Zeit später mit einem Freund quer durch die USA. Nach seiner Ausbildung bereiste Patrik Brasilien doch zog es ihn bald wieder zurück in die USA. Dort arbeitete er in Boston, Denver und New Orleans als Schreiner. Insbesondere New Orleans, mit seiner reichen, lebendigen Musikszene, hinterließ bei Patrik einen tiefen Eindruck. Auch lernte er über seine spätere Ehefrau Bridget Wilson-Becker den Jazzgitarristen Brian Seeger kennen, zu dem er eine innige Freundschaft aufbaute. Sowieso liebte es Patrik neue Menschen kennenzulernen und integrierte sich schnell in seine jeweilige Umgebung. In New Orleans war er bald nicht nur als fähiger Handwerker, sondern auch als ausgezeichneter Fußballer bekannt.

Zurück in Deutschland fand sich Patrik bald in der Rolle eines Veranstalters wieder. Brian Seeger tourte regelmäßig in Europa und immer, wenn er ein paar Tage frei hatte, organisierte Patrik ein Konzert in Köln oder bei seinem Bruder Michael in Annweiler. So reifte langsam der Gedanke in Patrik regelmäßig Konzerte in Köln zu veranstalten und mündete in der Geburt der Reihe Real-Live-Jazz die im ABS in Köln-Klettenberg stattfand. Patrik steckte sehr viel Herzblut in die Reihe. In der Anfangszeit druckte er tausende Flyer und verteilte sie im ganzen Veedel, um so Publikum für die Konzerte zu generieren. Er betreute die Website, kümmerte sich um die GEMA, schrieb sogar Bandtexte für die Konzerte. An den jeweiligen Konzertabenden räumte er oft eigenhändig Tische und Stühle weg, um Platz für die Bühne zu schaffen, begrüßte die Musiker, gab ihnen das Gefühl willkommen zu sein und achtete darauf, dass Essen und Trinken rechtzeitig vor Konzertbeginn bestellt wurden. Von Spannungen und Konflikten im Hintergrund, wenn z.B. das Personal nach einer langen Disco Nacht im ABS am Vortag nicht besonders motiviert war, bekamen Publikum und Musiker*innen nichts mit. Diesen ganzen Aufwand betrieb Patrik neben seiner Arbeit als vielbeschäftigter Handwerker und das bedeutete oft kurze Nächte. Wenn ein Auftrag besonders anstrengend war und er sich am Sonntag müde ins ABS schleppte, war es die Musik, die ihn erfüllte und ihm Glücksmomente brachte. Dieses Erlebnis mit anderen zu teilen, verlieh seinem Leben Sinn.

Ein weiterer wichtiger Teil seines Lebens war die Beziehung zu seinem Sohn Sean. Sean war Patriks absoluter Lebensmittelpunkt. Auch hier zeigt sich Patriks Freude an dem Besonderen. So baute er für den jungen Ritterfan ein Ritterzelt, um einen Rittergeburtstag zu feiern, oder lud mit Sean, als er sich für den Singer-Songwriter Chadwick Stokes interessierte, diesen zu einem Schreinerei-Konzert ein. Sowieso griff Patrik alle Interessen Seans begeistert auf.

Lieber Patrik, Du hast der Welt so viel von Dir gegeben! Dein unerwarteter Tod kam viel zu früh, aber Dein Leben war ein reiches und erfülltes. Danke, dass wir ein Teil davon sein durften. In unseren Herzen lebst du weiter!
Riaz Khabirpour, August 2021

Ich habe Patrik als einen offenen, lebensfrohen und besonders tatkräftig handelnden Mann erlebt, der über die Jahre zu unserem unverzichtbaren Freund, Helfer und verlässlichen Ratgeber geworden ist. Durch seine gelassene Kontinuität, seinen Einsatz, besonders während der letzten zwei Jahre, hat er sich in die Herzen der Kölner Jazzszene eingeschrieben. Er hat eine Brücke geschlagen vom Kiez zum Künstler zum Publikum und zurück. An der Resonanz über seinen viel zu frühen Tod ist deutlich zu erkennen, wie selbstverständlich sein Part in unserem täglichen Tun gewesen ist, wie groß die Lücke ist, die er als Vermittler und Veranstalter für Musiker und Publikum hinterlassen hat. Wer Patrick kennengelernt hat, wird ihn nie vergessen.
Matthias Nowak – Bassist

Patrik Becker war jemand, der Dinge ermöglicht. Ein Liebhaber. Ein Macher. Ein Freund. Jemand der anpackt. Einer von den Guten. Schreiner und Impresario. Wegen Menschen wie Patrik lebt unsere Musik. Und: Ich denke an Patrik, wenn ich an meinem Schreibtisch sitze, wenn ich mir die Zähne putze, wenn ich mit meinen Kindern male und wenn ich koche. Seine Handwerkskunst zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Wohnung. Und ich weiß: wir sind nicht die einzigen denen das so geht. Mit seiner Hingabe als Veranstalter ist es ganz ähnlich. Er hat uns alle miteinander verbunden: Publikum und Musiker*innen - Allen hat er etwas geschenkt. Schenken, ohne zu erwarten, dass man etwas zurückbekommt, das ist wahre Größe. Wir werden Dich vermissen, lieber Patrik!“
Pablo Held – Pianist

Patrik hat sich für jeden von uns eingesetzt und interessiert. Mit Leidenschaft hat er Konzerte organisiert im ABS genauso wie in seinem eigenen Garten. Wenn man Hilfe bei Schreinerarbeiten brauchte oder auch nur ein Gespräch suchte, war Patrik da. Ich werde es vermissen, auf Konzerte zu gehen und nicht Patrik dort mit einem Lächeln auf dem Gesicht zu treffen. Patrik gehört zu den wärmsten und freundlichsten Menschen, die ich je kennengelernt habe.
Hendrika Entzian – Bassistin

 

Patrik was a rare breed. Kind, creative, generous, energetic, strong, sensitive and unegotistical. These are qualities carried gracefully by a great and reliable friend and father, an unparalleled curator and host to musicians, a dedicated and meticulous carpenter. Koln is lucky to have had such a person to support and contribute to its community, particularly its community of musicians. Wishing you peace and great music on your onward journeys my friend. Our best duty now is to find a place to process our loss, to integrate and honor it.
Matthew Halpin – Saxophonist


Patrik war einer der allerfeinsten Veranstalter, die ich jemals kennengelernt habe. Mit größtem Respekt für Musiker und Zuhörer hat er durch die Jahre ein warmes Zuhause für den Jazz in Köln kreiert. Ob beim Konzert im ABS, beim Machen im wunderschönen Schrebergarten oder beim gemütlichen Hang an der Bar, immer wieder durften wir seine Gastfreundschaft und sein herzliches Lächeln genießen. Mit großer Dankbarkeit behalte ich ihn in allerbester Erinnerung.
Eva Buchmann – Sängerin


Patrik hat immer die Szene als Ganzes gesehen und wie eine Vaterfigur Verantwortung getragen. Seine Hilfsbereitschaft war beispiellos. Als die Corona Krise da war kam er mit immer neuen Ideen, um uns Musiker neue Spielmöglichkeiten und Plattformen zu schaffen und uns damit zu unterstützen. Seine Liebe zur Musik und zum sozialen Austausch war grenzenlos... Oft habe ich ihn um handwerklichen Rat gebeten und immer eine ehrliche und hilfreiche Antwort bekommen. Du wirst mir sehr fehlen, lieber Patrik... Gute Reise!"
Clemens Orth – Pianist


Ich kann mich noch genau an mein erstes Konzert in der Real-Live-Jazz Reihe erinnern: Patrik war der erste, der da war, sich um alles gekümmert hat und der letzte der mit einem Schlagzeugkoffer von mir unter dem Arm gegangen ist. Das war vor 11 Jahren, jetzt verliere ich einen Freund.
Oliver Rehmann – Schlagzeuger


Lieber Patrik, du warst einer der offensten, positivsten und hilfsbereitesten Menschen, denen ich je begegnet bin. Dein Engagement brachte eine wunderbare Jazzreihe und viele schöne vereinzelte Konzert hervor, die die Kölner Jazzlandschaft sehr bereicherten. Dein selbstloser Einsatz, Woche für Woche, uns und den Zuhörer*innen ein schönes Konzerterlebnis zu verschaffen, war einzigartig und ich werde die Sonntage im ABS nie vergessen. Aber vor allem werde ich dich nie vergessen und das gute Gefühl, was du einem stets gegeben hast. Danke für alles Patrik, Ruhe in Frieden, dein Freund Oli!
Oliver Lutz – Bassist